I. Die Gründung der Schachtanlage Königsborn
Bis etwa1872 gab es in Königsborn, in alter Tradition, nur Salzgewinnung. Aus Sole stellte man mit Hilfe von sieben Gradierwerke , und anschließendem verkochen, dem sogenannten Sieden, das so kostbare Salz her.

Damit diese wichtige Steuereinnahmequelle dem preußischen Staat nicht verloren ging, war das Niederbringen von Schächte zur Kohleförderung verboten. Denn durch das dann unbedingt notwendige Abpumpen des Grundwassers wäre die Förderung der Salzsole unmöglich geworden.
Dieses Verbot wurde durch das 1865 in Kraft tretende Berggesetz aufgehoben. Darin sah ein Essener Kaufmann , Friedrich Grillo, die Chance auch in Königsborn die mittlerweile dringend benötigte Kohle für die aufstrebende Stahlindustrie, für die Befeuerung der zahlreichen Dampfkessel sowie des Hausbandes zu fördern.

Das Sieden oder Gradieren von Salzsole erwies sich mittlerweile als immer unwirtschaftlicher, weil durch die Entdeckung von großen unterirdischen Salzlagern, z.B. in Bad Reichenthal, eine bergmännische Förderung dieses Bodenschatzes dort wesentlich preisgünstiger war.
So gründete Grillo eine Gesellschaft , ein „Konsortium“, und kaufte am 21.September 1872 die ehemals staatliche Saline Königsborn auf, um zunächst die Salzherstellung weiter zu betreiben, aber auch mit der Kohlegewinnung zu beginnen.
1874- 1880 wurde Schacht I, unter schwierigsten geologischen Bedingungen, bis auf eine Gesamttiefe von 380m geteuft. Das Karbon, die kohleführenden Schichten, wurden bei 178m erreicht.
Im Jahr 1880 begann die Kohlenförderung und 1885 betrug sie schon 6.532 t.

Der Abbau erstreckte sich hauptsächlich nach Osten, und so begannen die Teufarbeiten für Schacht II 1887 in Heeren. 1890 erreichte man 471m, gleichzeitig konnte Schacht I und Schacht II untertage miteinander verbunden werden.
Aber die Ausdehnung des Grubenfeldes ging weiter. Durch Mutungsbohrung wurden reiche Kohlenvorräte weiter nördlich und nordöstlich unter Bramey und Lenningsen festgestellt.Man entschloss sich in diesem Bereich die Abbaurechte für etwas mehr als 24 Hektar Land zu erwerben. So erhielten die betroffenen Landwirte eine Summe von etwa 236.000 Reichsmark.
Am 16.Juni 1899 begann das Abteufen des Schacht III in Altenbögge direkt neben der Eisenbahnlinie Unna- Hamm. Hier war ein idealer Standort : die Eisenbahn zum Abtransport der Kohle und als Zulieferer für das Grubenholz, die Nähe der Rexe und der Seseke als Lieferant für Wasser und gleichzeitig auch die Entsorgung der Grubenwässer. Außerdem lagen die mächtigen Flöze für den Abbau hier sehr günstig . Die Gemeinde Altenbögge half bei der Versorgung der Arbeitskräfte die bald überall angeworben wurden und die Einwohnerzahlen stiegen rasch in die Höhe. 1901 wurde direkt neben dem Schacht III der Schacht IV geteuft. Schon ein Jahr später erreichte man die 2. Sohle und damit ging der Schacht, mit einem Grubenlüfter versehen, als ausziehend in Betrieb.
1904 wurde Schacht I stillgelegt. Als neue Hauptanlage wurde der Schacht II in Heeren ausgebaut. Die Übertageanlagen dort wurden bedeutet erweitert, um den Standort Königsborn weitgehend stilllegen zu können. 1930 wurde Schacht 5 neben Schacht 2 abgeteuft und 1943 ging dieser dann in Betrieb.
Schacht 6, als vorletzter, wurde 1950 in Flierich geteuft und als Wetterschacht 1952 in Betrieb genommen. Der letzte, nämlich Schacht 7 (Lerche), wurde 1971 geteuft und versorgte ab 1973 das Monopol III Feld mit frischen Wettern.
2. Von einer bedeutenden Förderanlage zum historischen Denkmal
Weil durch den politischen Willen die Subventionen für den Deutschen Bergbau zurückgenommen werden sollten wurde die Stillegung der Schachtanlage zum 15. März 1981 beschlossen. Sofort rückten die Bagger heran und rissen die nun nicht mehr benötigten Gebäude und Einrichtungen nieder. Schacht IV wurde allerdings zunächst noch für die Wasserhaltung benötigt, da die Anlage mit der Zeche Heinrich- Robert in Hamm verbunden war und die dortigen Pumpenkapazität nicht ausreichte das Königsbornfeld zusätzlich trocken zu halten. Während der Abriss der Tagesanlagen die Bönener Bevölkerung wenig interessierte, bildete sich Jahre später, als diese Verbindung verschlossen werden konnte, eine Gruppe von Bürger, die den Erhalt des Turmes forderten. Sie gründeten einen Förderverein und schafften es, mit Hilfe von Professor Ganser, dem Leiter der Internationalen Bauaustellung 1999, sowie dem Lichtkünstler Mischa Kubal, den Förderturm zunächst auf die Denkmalliste zu setzen. Mit einer Lichtkunst , dem Yellow Marker, wurde der Turm dann sogar über die Grenzen des Kreises bekannt und ist nun Bestandteil der Route der Industriekultur. Der Turm wurde außen sowie im Bereich der ehemaligen Luftschleuse und darüber renoviert und so hergerichtet, dass in ihm kulturelle Veranstaltungen möglich sind. Mittlerweile haben hier von der kleinen Geburtstagfeier über Gottesdienste bis hin zu großen Musikereignisse so viele Besucher den Förderturm besucht so das er nicht nur im Kreis Unna einen großen Bekanntheitsgrad erreicht hat.



Von der Sole zur Kohle










