Viele Begriffe aus der Zeit als in erster Linie die Windrichtung im Revier das Wäschetrocknen draußen auf der Leine bestimmte sind schon fast verlorengegangen.
Ich selbst bin in Dortmund groß geworden und erinnere mich, dass an den Waschtagen im Sommer Mutter erst immer die Windrichtung prüfte. Diese war wichtig für die Entscheidung ob die Wäsche nur "auf dem Boden", das war der nichtausgebaute Raum unter den Dachpfannen oder aber viel schneller im Garten auf der Wäscheleine trocknen konnte. Wehte der Wind vom Stahlwerk her konnten schmutzigbraune Schwebeteilchen die frischgewaschene Wäsche verderben. Wehte er von der Kokerei her drohte der Russanteil ebenfalls die Wäsche zu färben.
Auch schlecht brennende Öfen, vor allen Dingen wenn sie morgens angeheizt wurden, sorgten für einen gewissen Smog in der Stadt. Diese Öfen wurden mit einer zerknüllten Zeitung, mit Anmachholz und darübergeschüttete Kohle in Betrieb gesetzt. Die Kohlen waren bei den meisten Nachbarn Deputat. Dieses bedeutete dass die Bergleute ihren sogenannten "Hausbrand" kostenfrei von der Zeche bis vors Kellerfenster geliefert bekamen. Aber die Lieferung von kostenfreiem Anmachholz war nur den Angestellten vorbehalten. Also "besorgte " sich der Bergmann sein sogenanntes Mutterklötzchen oder im Dortmunder Raum auch Pegel genannt, selbst. Dazu wurde auf einigen Zechen Abfallholz zur Verfügung gestellt. Dieses war aber meistens so astreich, dass das Spalten nur mit Mühe gelang.
Also suchte der Bergmann sich aus den fertig konfektionierten Holzstempeln, die er ja zum Abstützen massenweise verarbeitete, ein etwa fußlanges, astfreies Stück aus. Dummerweise war dieses meistens dann mitten im den vorgerichteten Stempeln zu finden. Weil dieser dadurch unbrauchbar wurde, war diese Art von Mutterklötzchen besorgen eigentlich streng verboten. Aber in der Grube war es ja dunkel und der Steiger hatte auch auf andere Dinge zu achten.
Das nun auf "Küppersbusch- Länge" gesägte Holzstück war nun aber keineswegs mitnahmebereit, es fehlte noch die Spaltung auf kleine, etwa 2 mal 2 cm große Scheite. Man wollte der Mutter oder Ehefrau zuhause doch keinesfalls das Holzhacken zumuten.
Auch hier war der Bergmann recht geschickt. Zunächst wurde der Klotz in der Mitte mit Schießdraht umwickelt. Gruben-Handwerker benutzten Isolierband. Später mussten dann Reserve-Gummibänder, diese sollten eigentlich die Schienbeinschützer an den Waden halten, diesen wichtigen Transportschutz bis nach Hause übernehmen.
Nun wurde mit der Axt der Klotz so gespaltet, dass die einzelnen Scheite zwar getrennt, der Klotz aber weiterhin durch die Bindung gehalten, seine Form behielt. Auch hier gab es wieder Spezialisten. Mit einem aus der Werkstatt besorgtem einseitig, messerartig geschliffenem Stück Flachstahl wurde eine millimetergenaue, schachbrettartige Aufteilung der Scheite erziehlt.
Als letzte Hürde musste das so vorgerichtete Mutterklötzchen nur noch am Pförtner vorbeigeschmuggelt werden. Dieser wurden nämlich von Zeit zu Zeit von der Zechenleitung daran erinnert, dieses entwendete Gut den Bergleuten abzunehmen
Eine gute Tarnung war das einwickeln des Mutterklötzchens in das Grubenhandtuch, so das es, unter dem Arm geklemmt, wie ein Pöngel aussah. Was mit den konfiszierten Mutterklötzchen passierte weiß ich nicht, aber ich denke dass diese dann halt die Öfen von über Tage Beschäftigte in Gang setzte.
Weil sich in den Kauen teilweise bis zu 5 000 Bergleute umzogen und jeder einen schmutzigen Arbeitsanzug auf seinem Kauenhaken aufbewahrte, wurden in regelmäßigen Abständen an jedem zweitem Wochenende die Kauen gereinigt. Dieses teilte der Kauenwärter auf einer großen Tafel den Bergleuten frühzeitig mit. Wer in der Zeit in Urlaub oder krank war tat gut daran seine Wäsche vorher mit nach Hause zu nehmen. Dieses Wäschebündel nannte man Pöngel,auf manchen Zechen aber auch Wäschepuck.
In früherer Zeit wurden die schmutzige Arbeitswäsche in das Handtuch eingewickelt nach Hause getragen. Dieses Paket wurde dann Muttern oder der Frau zur Reinigung übergeben. Die Schuhe, Helm und Schienbeinschoner durfen auf dem Kauenhaken verbleiben. Gereinigt wurde dann am Samstagmorgen mit einem Wasserstrahl aus dem C-Feuerwehrschlauch. Vorzugsweises Ziel damit waren nicht geräumte Haken. Diese hängengebliebene Wäschestücke wurden regelrecht "abgeschossen".
Triefendnass lagen diese dann in einer Ecke der Kaue und warteten bis zum Montag auf ihre vergesslichen Besitzer.
Etwa ab 1975 wurden dann per Tarifvertrag die Arbeitsanzüge auf Kosten der Zeche gereinigt. Dazu bekam jeder Bergmann einen zweiten Satz Arbeitszeug sowie zwei Leinenbeutel. Meistens waren es ausgediente Zuckersäcke. Diese wurden mit seiner "Hakennummer" versehen und zum Wochenende dann gefüllt mit der schmutzigen Arbeitswäsche, "abgeworfen". Nach einer Woche waren die Pöngel dann wieder gewaschen und getrocknet zurück und der Bergmann konnte seinen in der Woche getragenen, zweiten Arbeitsanzug "abwerfen".
Der "Anhänger" zeigt das der Puck zur Hakennummer 1942 gehört.
Bei besonders schmutziger und Arbeit bei großer Hitze gab es aber auch sogenannte "tägliche Wäsche". Dazu bekam der Bergmann eine riesige, nummerierte Sicherheitsnadel sowie eine mit der gleichen Nummer versehenen kleinen Blechtafel.
Die Wäschestücke wurden nun auf der Nadel aufgespießt und zur Reinigung beim Kauenwärter abgegeben. Am nächsten Tag gab es gegen die Marke die gereinigte Wäsche wieder zurück. Was man allerdings niemals machen durfte war die Socken mit abzuwerfen. Einmal konnten diese, losgerissen von der Nadel, die Waschmaschinenabflüsse verstopfen, zum anderen vertrugen sie die Heißwäsche nicht. Wohl sauber konnten sie danach nur noch als "Sparstümpfe" verwendet werden.
Auf anderen Schachtanlagen konnte die schmutzige Arbeitswäsche gegen vorher von anderen Kumpeln abgegebene und gereinigte getauscht werden. Dabei hatte Glück wer eine Standartgröße trug. Dieses für die Zeche wirtschaftlichste Verfahren führte dazu, dass ich aus den verschiedensten Gründen nach langer Zeit meinen Pöngel wieder mit nach Hause brachte.















